Was ist die Franchise?
Die Franchise ist der jährliche Betrag, den Sie aus eigener Tasche bezahlen, bevor die Krankenkasse Kosten übernimmt. Bei der obligatorischen Grundversicherung (OKP) können Erwachsene zwischen sechs Stufen wählen: CHF 300, 500, 1'000, 1'500, 2'000 und 2'500.
Das Prinzip ist einfach: Je höher die gewählte Franchise, desto tiefer die monatliche Prämie. Dafür tragen Sie im Krankheitsfall einen grösseren Teil der Kosten selbst. Die Kunst besteht darin, die optimale Balance zwischen Prämie und Franchise zu finden — abhängig von Ihrem persönlichen Gesundheitszustand.
Franchise vs. Selbstbehalt: Der Unterschied
Viele verwechseln die Franchise mit dem Selbstbehalt. Der Unterschied ist wichtig:
- Franchise: Fester Jahresbetrag, den Sie zuerst selbst tragen (CHF 300 bis CHF 2'500)
- Selbstbehalt: Nach Erreichen der Franchise zahlen Sie 10 % der weiteren Kosten, maximal CHF 700 pro Jahr
Das bedeutet: Ihre maximale jährliche Kostenbeteiligung beträgt bei der höchsten Franchise CHF 2'500 + CHF 700 = CHF 3'200. Bei der tiefsten Franchise sind es CHF 300 + CHF 700 = CHF 1'000.
Prämienersparnis pro Franchise-Stufe
Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittliche monatliche Prämie und die jährliche Ersparnis gegenüber der Mindestfranchise (CHF 300). Basis: Erwachsener, Standardmodell, schweizweiter Durchschnitt.
Break-Even-Analyse: Wann lohnt sich welche Franchise?
Der Break-Even-Punkt ist die Höhe der jährlichen Arztkosten, bei der beide Franchise-Stufen gleich teuer sind. Liegen Ihre Kosten darunter, lohnt sich die höhere Franchise. Liegen sie darüber, ist die tiefere Franchise günstiger.
Rechenbeispiel: CHF 300 vs. CHF 2'500
Franchise CHF 300: Prämie CHF 4'776 + Franchise CHF 300 + Selbstbehalt max. CHF 700 = max. CHF 5'776
Franchise CHF 2'500: Prämie CHF 3'288 + Franchise CHF 2'500 + Selbstbehalt max. CHF 700 = max. CHF 6'488
Break-Even: Bei jährlichen Arztkosten von ca. CHF 1'788 sind beide Varianten gleich teuer.
Bei Arztkosten unter CHF 1'788 sparen Sie mit der höchsten Franchise. Bei Kosten darüber lohnt sich die Mindestfranchise.
Drei realistische Szenarien
Szenario A: Gesunder Erwachsener (Arztkosten CHF 200/Jahr)
Luisa, 28, geht einmal jährlich zur Vorsorge und braucht keine Medikamente. Ihre jährlichen Arztkosten liegen bei rund CHF 200.
- Franchise CHF 300: Prämie CHF 4'776 + Eigenkosten CHF 200 = CHF 4'976
- Franchise CHF 2'500: Prämie CHF 3'288 + Eigenkosten CHF 200 = CHF 3'488
- Ersparnis mit CHF 2'500: CHF 1'488/Jahr
Fazit: Die höchste Franchise spart Luisa fast CHF 1'500 pro Jahr. Selbst wenn sie einmal unerwartet zum Arzt muss und CHF 1'000 ausgeben sollte, lohnt sich die hohe Franchise immer noch.
Szenario B: Gelegentliche Arztbesuche (Arztkosten CHF 1'500/Jahr)
Thomas, 42, hat leichtes Asthma und geht drei- bis viermal pro Jahr zum Arzt. Dazu kommen Medikamente. Jährliche Kosten: rund CHF 1'500.
- Franchise CHF 300: Prämie CHF 4'776 + Franchise CHF 300 + Selbstbehalt CHF 120 = CHF 5'196
- Franchise CHF 2'500: Prämie CHF 3'288 + Eigenkosten CHF 1'500 = CHF 4'788
- Ersparnis mit CHF 2'500: CHF 408/Jahr
Fazit: Auch bei regelmässigen Arztbesuchen von CHF 1'500/Jahr lohnt sich die höchste Franchise noch — knapp. Ab ca. CHF 1'788 kippt die Rechnung.
Szenario C: Chronisch krank (Arztkosten CHF 8'000/Jahr)
Maria, 55, hat Diabetes und Bluthochdruck. Sie besucht regelmässig den Arzt und bezieht mehrere Medikamente. Jährliche Kosten: rund CHF 8'000.
- Franchise CHF 300: Prämie CHF 4'776 + Franchise CHF 300 + Selbstbehalt CHF 700 = CHF 5'776
- Franchise CHF 2'500: Prämie CHF 3'288 + Franchise CHF 2'500 + Selbstbehalt CHF 550 = CHF 6'338
- Mehrkosten mit CHF 2'500: CHF 562/Jahr
Fazit: Bei hohen Arztkosten ist die Mindestfranchise günstiger. Maria spart mit CHF 300 Franchise über CHF 560 pro Jahr.
Franchise für Kinder
Für Kinder (0–18 Jahre) gelten tiefere Franchise-Stufen: CHF 0, 100, 200, 300, 400, 500 und 600. Bei der Nullfranchise übernimmt die Kasse ab dem ersten Franken. Da Kinder häufiger zum Arzt gehen und die Prämienersparnis bei höherer Franchise gering ist, empfehlen die meisten Experten die Nullfranchise für Kinder.
Ausnahme: Bei gesunden Kindern, die selten krank sind, kann die Franchise CHF 600 eine moderate Ersparnis bieten. Prüfen Sie die konkrete Prämienersparnis über unseren Prämienvergleich.
Franchise und alternatives Versicherungsmodell kombinieren
Die grösste Ersparnis erzielen Sie, wenn Sie eine hohe Franchise mit einem alternativen Versicherungsmodell kombinieren. Beispiel für den Kanton Bern:
Kombi-Rechenbeispiel Kanton Bern
Standard + Franchise 300: CHF 432/Mt. = CHF 5'184/Jahr
Telmed + Franchise 2'500: CHF 234/Mt. = CHF 2'808/Jahr
Ersparnis: CHF 198/Mt. = CHF 2'376/Jahr
Das ist eine Reduktion von 45.8 % — bei identischen Grundversicherungsleistungen. Weitere Kombinationsmöglichkeiten finden Sie in unseren 8 Spartipps.
Häufige Fehler bei der Franchise-Wahl
- Franchise zu tief aus Angst: Viele Versicherte wählen die Mindestfranchise "zur Sicherheit" — auch wenn sie kerngesund sind. Das kostet unnötig Hunderte Franken pro Jahr.
- Franchise zu hoch trotz Vorerkrankung: Wer weiss, dass regelmässige Arztbesuche nötig sind, sollte die Rechnung machen, statt automatisch die höchste Stufe zu wählen.
- Rücklagen vergessen: Bei der höchsten Franchise sollten Sie CHF 2'500 als Reserve auf der Seite haben — falls im Januar ein Unfall passiert und die Franchise sofort fällig wird.
- Franchise und Modell nicht kombinieren: Wer nur die Franchise erhöht, aber das Standardmodell behält, verschenkt zusätzliches Sparpotenzial. Prüfen Sie das Telmed- oder HMO-Modell als Ergänzung.
Die richtige Franchise ist keine Glaubensfrage, sondern eine Rechenaufgabe. Wer seine jährlichen Arztkosten kennt, kann die optimale Stufe objektiv bestimmen.
Weitere Strategien, um Ihre Krankenkassenprämie zu senken, finden Sie in unseren 8 Spartipps. Und welche Kasse in Ihrem Kanton am günstigsten ist, zeigt unser Ranking 2026.