Warum die meisten Schweizer zu viel bezahlen
Gemäss einer Studie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) wechseln jährlich nur rund 10 Prozent der Versicherten ihre Krankenkasse. Das bedeutet: 90 Prozent der Bevölkerung bleiben bei ihrer bisherigen Kasse — oft aus Trägheit oder Unwissenheit. Dabei könnten viele mit wenigen Handgriffen Hunderte bis Tausende Franken pro Jahr sparen.
Der Grund ist einfach: Die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung (OKP) sind bei allen Krankenkassen gesetzlich identisch. Wer zu viel bezahlt, bekommt dafür keine bessere Behandlung. Der Preisunterschied entsteht allein durch Verwaltungskosten, Reserven und Kalkulationen der einzelnen Kassen.
Tipp 1: Jährlich die Krankenkasse vergleichen und wechseln
Der wichtigste und gleichzeitig wirkungsvollste Tipp: Vergleichen Sie jedes Jahr im Herbst die Prämien und wechseln Sie zur günstigsten Kasse. Die Prämien werden jährlich neu kalkuliert und vom BAG genehmigt. Eine Kasse, die letztes Jahr am günstigsten war, kann dieses Jahr teurer sein als die Konkurrenz.
Der Wechsel ist denkbar einfach: Kündigen Sie per eingeschriebenem Brief bis 30. November. Die neue Kasse darf Sie nicht ablehnen — es gibt keine Gesundheitsprüfung und keinen Aufnahmevorbehalt in der Grundversicherung. Nutzen Sie unser Ranking, um die aktuell billigsten Kassen zu finden.
Sparpotenzial Tipp 1
Durch den Wechsel zur günstigsten Kasse sparen Sie je nach Kanton CHF 600 bis CHF 2'400 pro Jahr — bei identischen Leistungen.
Tipp 2: Alternatives Versicherungsmodell wählen
Das Versicherungsmodell hat den zweitgrössten Einfluss auf die Prämie. Im Standardmodell mit freier Arztwahl zahlen Sie am meisten. Wählen Sie stattdessen eines der alternativen Modelle:
- Hausarztmodell: Sie gehen bei gesundheitlichen Fragen zuerst zum Hausarzt, der Sie bei Bedarf an einen Spezialisten überweist. Ersparnis: 7–15 %.
- Telmed-Modell: Bevor Sie einen Arzt aufsuchen, rufen Sie eine medizinische Hotline an. Ersparnis: 12–20 %.
- HMO-Modell: Sie besuchen eine bestimmte Gruppenpraxis oder ein Gesundheitszentrum. Ersparnis: 15–25 %.
Die medizinische Versorgung bleibt bei allen Modellen gleich — Sie haben jederzeit Anspruch auf Spitalbehandlung, Medikamente und Therapien gemäss KVG. Der einzige Unterschied ist der Zugangsweg. Welches Modell für Sie passt, hängt von Ihrer Wohngegend und Ihren Gewohnheiten ab. Mehr Informationen im Prämienvergleich.
Tipp 3: Franchise erhöhen
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Jahr selbst tragen, bevor die Kasse einspringt. Je höher die Franchise, desto tiefer die monatliche Prämie. Die verfügbaren Stufen für Erwachsene sind: CHF 300, 500, 1'000, 1'500, 2'000 und 2'500.
Die Maximalfranchise von CHF 2'500 kann die Prämie gegenüber der Mindestfranchise von CHF 300 um CHF 100 bis CHF 180 pro Monat senken. Das ergibt eine jährliche Ersparnis von CHF 1'200 bis CHF 2'160. Ob sich das lohnt, hängt von Ihren jährlichen Arztkosten ab. Die detaillierten Berechnungen finden Sie auf unserer Franchise-Seite.
Faustregel: Wenn Ihre jährlichen Arztkosten unter CHF 1'800 liegen, lohnt sich die höchste Franchise fast immer.
Tipp 4: Unfallversicherung ausschliessen
Wer mindestens 8 Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber angestellt ist, ist über den Arbeitgeber nach UVG (Unfallversicherungsgesetz) versichert. In diesem Fall können Sie den Unfalleinschluss aus der Grundversicherung entfernen und sparen dadurch rund CHF 5 bis CHF 15 pro Monat.
Achtung: Studierende, Selbstständige, Hausfrauen/-männer und Rentner ohne Arbeitsverhältnis brauchen den Unfalleinschluss in der Grundversicherung. Prüfen Sie Ihre Situation sorgfältig, bevor Sie den Unfall ausschliessen. Für Studenten gelten besondere Regeln.
Tipp 5: Prämienverbilligung (IPV) beantragen
Personen mit bescheidenem Einkommen haben Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung (IPV). Die Einkommensgrenzen und die Höhe der Vergünstigung sind kantonal unterschiedlich. In den meisten Kantonen liegt die Grenze bei einem steuerbaren Einkommen von CHF 30'000 bis CHF 55'000 für Einzelpersonen.
Die IPV wird nicht automatisch gewährt — Sie müssen den Antrag aktiv stellen. In einigen Kantonen (z. B. Luzern, Basel-Stadt) erfolgt die Auszahlung automatisch, in anderen müssen Sie das Formular einreichen. Informationen erhalten Sie beim kantonalen Sozialversicherungsamt. Unsere Kantone-Übersicht enthält Links zu den zuständigen Stellen.
Tipp 6: Prämien jährlich statt monatlich bezahlen
Viele Kassen gewähren einen Rabatt bei jährlicher oder halbjährlicher Zahlung. Die Ersparnis beträgt je nach Kasse 0.5 bis 2 Prozent des Jahresbetrags. Bei einer Monatsprämie von CHF 400 ergibt das immerhin CHF 24 bis CHF 96 pro Jahr.
Der Nachteil: Sie müssen den gesamten Jahresbetrag auf einmal überweisen. Wenn Sie sich das leisten können, ist es ein einfacher Weg, etwas Geld zu sparen. Prüfen Sie bei Ihrer Kasse, ob ein Skonto für Vorauszahlung angeboten wird.
Tipp 7: Generika statt Originalmedikamente verlangen
Wenn Ihr Arzt ein Medikament verschreibt, fragen Sie in der Apotheke nach einem Generikum. Generika enthalten denselben Wirkstoff wie das Originalmedikament, kosten aber oft 30 bis 60 Prozent weniger. Das senkt Ihre Gesundheitskosten — und damit die Wahrscheinlichkeit, die Franchise zu überschreiten.
Seit 2024 dürfen Apotheker in der Schweiz automatisch das günstigste Generikum abgeben (Art. 52a KVG), sofern der Arzt nicht explizit das Original verschrieben hat. Fragen Sie proaktiv danach — es lohnt sich besonders bei Langzeitmedikamenten.
Tipp 8: Kinder separat versichern
Für Familien mit Kindern lohnt es sich, die Kinder bei einer anderen Kasse als die Eltern zu versichern, falls dort die Kinderprämie günstiger ist. In der Grundversicherung gibt es keine Familienpflicht — jedes Familienmitglied kann bei einer anderen Kasse versichert sein.
Einige Kassen bieten zudem Familienrabatte ab dem zweiten Kind. Vergleichen Sie die Kinderprämien separat über unseren Prämienvergleich und prüfen Sie, ob ein Kassenwechsel für die Kinder zusätzliche Einsparungen bringt.
Kombination aller Tipps: Maximale Ersparnis berechnen
Wer alle acht Tipps konsequent umsetzt, kann seine Krankenkassenkosten drastisch senken. Hier ein realistisches Beispiel:
Fallbeispiel: Markus, 35, Kanton Bern
Vorher: CSS Standard, Franchise 300, Unfall eingeschlossen = CHF 456/Mt.
Nachher: Assura Telmed, Franchise 2'500, Unfall ausgeschlossen, jährliche Zahlung = CHF 228/Mt.
Ersparnis: CHF 228/Mt. = CHF 2'736/Jahr
Markus hat die Kasse gewechselt (Tipp 1), Telmed gewählt (Tipp 2), die Franchise erhöht (Tipp 3), den Unfall ausgeschlossen (Tipp 4) und zahlt jährlich (Tipp 6). Die Leistungen seiner Grundversicherung sind unverändert.